
Der Krieg ist längst nicht mehr auf einzelne Frontlinien begrenzt. Im Nahen Osten dauert die militärische Konfrontation zwischen den USA, Israel und Iran inzwischen rund sechs Monate an. In Europa verschärft sich gleichzeitig der russische Krieg gegen die Ukraine, während Waffen, Geld, Geheimdienstinformationen und militärische Infrastruktur aus immer mehr Staaten in diese Konflikte hineinfließen.
Damit entsteht eine gefährliche internationale Verflechtung: Iran, Israel und die USA kämpfen im Nahen Osten; Russland und die Ukraine führen einen zunehmend technologisierten Fernkrieg; NATO-Staaten unterstützen Kiew immer umfassender; China, Nordkorea und andere Staaten positionieren sich auf der Gegenseite. Gleichzeitig verschärfen sich die Spannungen zwischen Israel und der Türkei über Syrien.
Was vor wenigen Jahren als mehrere voneinander getrennte Krisen betrachtet wurde, entwickelt sich zunehmend zu einem zusammenhängenden geopolitischen Konfliktsystem.
Der Iran-Krieg sollte kurz sein – sechs Monate später gibt es noch immer keinen Frieden
Die amerikanisch-israelischen Angriffe auf Iran begannen im Februar 2026. US-Präsident Donald Trump hatte zunächst den Eindruck vermittelt, dass die militärische Auseinandersetzung vergleichsweise schnell beendet werden könne. Sechs Monate später ist davon wenig übrig geblieben.
Reuters beschreibt den Konflikt inzwischen ausdrücklich als einen Krieg, der sich von einer begrenzten Operation zu einer offenen und langwierigen Auseinandersetzung entwickelt hat. Zwar gab es Feuerpausen, diplomatische Memoranden und mehrere Vermittlungsversuche, doch ein belastbarer Friedensvertrag existiert bis heute nicht.
Auch die Straße von Hormus bleibt ein zentraler Konfliktherd. Vermittler aus Katar, Oman und Pakistan versuchen aktuell erneut, Iran zu einer vollständigen Wiederöffnung der Schifffahrtsroute zu bewegen. Die Meerenge ist deshalb von enormer Bedeutung, weil normalerweise etwa ein Fünftel des weltweiten Ölverkehrs durch diesen Korridor läuft.
Ein entscheidender Punkt wird dabei häufig übersehen: Der ursprüngliche politische Zweck der Angriffe wurde nur teilweise erreicht. Nach einer aktuellen Analyse von Associated Press überstand das iranische Machtgefüge den Krieg und konnte seine Kontrolle trotz massiver militärischer Verluste stabilisieren. Gleichzeitig hat sich Israels internationale Isolation verstärkt und die amerikanische Glaubwürdigkeit bei mehreren Golfstaaten gelitten.
Damit zeigt sich ein bekanntes Muster moderner Kriege: Militärische Zerstörung bedeutet nicht automatisch politische Kapitulation.
Israel und die Türkei: Die nächste gefährliche Front entsteht in Syrien
Besonders bedenklich entwickelt sich inzwischen das Verhältnis zwischen Israel und der Türkei.
Ankara unterstützt die neue syrische Führung militärisch, politisch und beim Wiederaufbau staatlicher Strukturen. Israel wiederum betrachtet eine stärkere türkische Militärpräsenz in Syrien zunehmend als Sicherheitsrisiko.
Mitte August griff Israel den syrischen Luftwaffenstützpunkt Abu al-Duhur an. Nach Angaben des amerikanischen Syrien-Sondergesandten und US-Botschafters in der Türkei, Tom Barrack, war Ankara zuvor nicht informiert worden. Türkische Stellen hätten deshalb durchaus davon ausgehen können, dass sich israelische Kampfflugzeuge dem türkischen Luftraum näherten und entsprechend reagieren können. Barrack sagte, nur besonnenes Handeln habe eine weitere Eskalation verhindert.

Noch bemerkenswerter war Barracks spätere Einschätzung: Der Angriff könne möglicherweise als Versuch verstanden werden, die Türkei zu provozieren. Israel widerspricht Teilen dieser Darstellung. Dennoch bezeichnete der US-Gesandte gerade diese Gefahr einer direkten israelisch-türkischen Konfrontation als besonders besorgniserregend.
Washington arbeitet deshalb inzwischen ausdrücklich an einem militärischen Deconfliction-Mechanismus zwischen Israel, der Türkei und Syrien, damit Flugbewegungen oder Angriffe nicht versehentlich einen größeren Krieg auslösen.
Ein direkter Krieg zwischen Israel und der Türkei wäre qualitativ etwas völlig anderes als die bisherigen regionalen Auseinandersetzungen. Die Türkei verfügt über die zweitgrößte Armee innerhalb der NATO und besitzt erhebliche militärische Kapazitäten, eine große Rüstungsindustrie sowie strategischen Einfluss vom Schwarzen Meer über Syrien bis in den Kaukasus.
Die Aussage, Israel wäre danach „100 Jahre wirtschaftlich zerstört“, lässt sich seriös nicht quantifizieren. Richtig ist jedoch: Ein militärischer Konflikt zwischen zwei hochgerüsteten Regionalmächten würde für beide Länder und den gesamten östlichen Mittelmeerraum kaum kalkulierbare wirtschaftliche Konsequenzen haben.
Genau deshalb versucht Washington gegenwärtig eher, eine direkte Konfrontation zu verhindern, als sie zu fördern.
Netanyahu gegen Ankara – der Konflikt ist inzwischen auch diplomatisch offen
Die Auseinandersetzung findet längst nicht mehr nur indirekt in Syrien statt.
Die Türkei kündigte am 21. August an, über Interpol einen internationalen Haftbefehl gegen Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu im Zusammenhang mit einem Angriff auf eine Gaza-Hilfsflottille anzustreben. Israel weist die türkischen Vorwürfe zurück und reagierte scharf.
Gleichzeitig versucht Israel, eine mögliche Rückkehr der Türkei in das amerikanische F-35-Programm zu verhindern. Netanyahu warnte Washington vor einem Verkauf der modernen Kampfjets an Ankara.
Hier prallen zwei völlig unterschiedliche strategische Vorstellungen aufeinander: Israel möchte seine militärische Überlegenheit im Nahen Osten erhalten. Die Türkei dagegen beansprucht zunehmend die Rolle einer eigenständigen Regionalmacht.
Syrien wird dabei zum unmittelbaren Berührungspunkt dieser Interessen.
Russland und Ukraine: Der Krieg reicht immer tiefer in das Hinterland
Parallel dazu verschärft sich der Krieg in Europa weiter.
Russland bombardierte am 27. August erneut Kyiv und mehrere andere ukrainische Städte mit einer großen Anzahl von Raketen und Drohnen. Dabei wurden militärische und energetische Ziele angegriffen, aber auch Wohngebäude, Schulen und Unternehmen beschädigt.

Die Ukraine wiederum hat ihre Angriffe auf russisches Gebiet deutlich ausgeweitet. Mittlerweile werden nicht mehr ausschließlich militärische Anlagen, Raffinerien oder Munitionslager angegriffen. Ukrainische Drohnen treffen auch Logistikzentren großer russischer Unternehmen. Reuters berichtete beispielsweise über Angriffe auf Standorte des Onlinehändlers Ozon sowie über die Zerstörung eines Wildberries-Lagers.
Damit verschiebt sich die Front zunehmend vom klassischen Schlachtfeld hin zu einem umfassenden Wirtschafts-, Infrastruktur- und Drohnenkrieg.
Kämpft Russland inzwischen gegen die NATO?
Politisch entsteht dieser Eindruck zunehmend. Militärisch und völkerrechtlich ist die Lage jedoch differenzierter.
Die NATO befindet sich als Bündnis nicht offiziell im Krieg mit Russland. NATO-Soldaten führen keine gemeinsame Bodenoffensive gegen russische Streitkräfte.
Aber zahlreiche NATO-Staaten liefern der Ukraine Waffen, Raketen, Munition, Radarsysteme, Ausbildung und umfangreiche Finanzhilfen. Diese Unterstützung wird immer leistungsfähiger.
Russland argumentiert deshalb seit längerem, dass es nicht mehr nur gegen die Ukraine kämpfe, sondern indirekt gegen das gesamte westliche Militärsystem.
Diese Eskalation ist inzwischen besonders deutlich sichtbar: Moskau drohte am 27. August damit, britische militärische Einrichtungen innerhalb und möglicherweise auch außerhalb der Ukraine anzugreifen, falls britische Storm-Shadow-Marschflugkörper weiterhin für Angriffe auf russisches Gebiet verwendet werden.
Damit nähert sich der Konflikt einer äußerst gefährlichen Grenze.
Solange keine russischen Angriffe auf NATO-Gebiet erfolgen, bleibt der Bündnisfall nach Artikel 5 unberührt. Doch je weiter die Reichweite westlicher Waffen wächst, desto größer wird das Risiko einer Fehlkalkulation.
Selbst die amerikanischen Waffenlager geraten unter Druck
Wie weit die verschiedenen Kriege inzwischen miteinander verbunden sind, zeigt ein bemerkenswerter aktueller Bericht von Associated Press.
Danach befinden sich die amerikanischen Patriot-Abfangraketenbestände in Europa wegen des enormen Munitionsverbrauchs im Iran-Krieg auf einem teilweise „jenseits des kritischen Bereichs“ liegenden Niveau. Gleichzeitig benötigt die Ukraine genau diese Systeme zur Verteidigung gegen russische Raketen.
Das bedeutet: Eine Rakete, die zur Verteidigung eines amerikanischen oder verbündeten Stützpunktes im Nahen Osten verbraucht wird, kann nicht gleichzeitig Kyiv schützen.
Der Iran-Krieg schwächt damit indirekt Teile der westlichen Verteidigungsfähigkeit in Europa.
Genau darin liegt die strategische Verbindung zwischen beiden Konflikten.
Russland erhält Unterstützung – China bleibt der entscheidende Faktor
Russland steht ebenfalls nicht alleine.
Nordkorea unterstützt Moskau militärisch und politisch. China verfolgt eine komplexere Strategie: Peking vermeidet bislang eine direkte militärische Beteiligung, bietet Russland aber wirtschaftlichen und diplomatischen Rückhalt.
Beim Iran-Krieg verurteilte China die amerikanisch-israelischen Angriffe ausdrücklich und verlangte einen sofortigen Waffenstillstand.
China hat jedoch einen weiteren entscheidenden Hebel: Energie.
Iran benötigt Käufer für sein Öl, während China zu den wichtigsten Abnehmern gehört. Washington hat bislang trotz scharfer Sanktionen offenbar gezögert, China wegen seiner iranischen Ölimporte maximal unter Druck zu setzen.
Peking muss daher gar keine Raketen abschießen, um geopolitischen Einfluss auszuüben. Wirtschaftliche Verbindungen, Rohstoffe, Industriekapazitäten und Handelsbeziehungen können mindestens ebenso wirkungsvoll sein.
Deutschlands Rolle: Milliarden für die Ukraine – aber Zahlen müssen korrekt eingeordnet werden
Deutschland gehört tatsächlich zu den größten Unterstützern der Ukraine.
Allerdings wäre es falsch, diese gesamte Unterstützung allein Bundeskanzler Friedrich Merz zuzuschreiben. Ein großer Teil der Hilfen wurde bereits unter vorherigen Bundesregierungen beschlossen.
Nach offiziellen Angaben des Bundesfinanzministeriums hat Deutschland seit Februar 2022 bis zum 30. Juni 2026 mehr als 43,3 Milliarden Euro zivile bilaterale Unterstützung sowie rund 57,6 Milliarden Euro militärische Unterstützung geleistet oder für kommende Jahre bereitgestellt.
Allein die Dimension zeigt, wie stark Deutschland inzwischen in die wirtschaftliche Absicherung der Ukraine eingebunden ist.
Für 2025 wurden laut Bundesregierung Rüstungsexporte im Wert von 2,27 Milliarden Euro für die Ukraine genehmigt. Damit war die Ukraine erneut größter Empfänger deutscher genehmigter Rüstungsexporte.
Darüber hinaus beschloss die EU erst vor wenigen Tagen weitere 6,1 Milliarden Euro für ukrainische Verteidigungsgüter, zusätzlich zu bereits bestehenden Programmen.
Die europäische Unterstützung ist somit längst kein kurzfristiges Hilfspaket mehr. Sie hat die Dimension einer dauerhaften sicherheits- und industriepolitischen Struktur angenommen.
Deutschland und Israel: Waffenexporte ja – „illegale Waffenlieferungen“ sind bislang nicht belegt
Auch hier muss zwischen politischer Kritik und belegbaren Tatsachen unterschieden werden.
Die Behauptung, Deutschland liefere grundsätzlich „illegal Waffen nach Israel“, lässt sich auf Grundlage der aktuell verfügbaren amtlichen Informationen nicht als Tatsache darstellen.
Fest steht jedoch: Deutschland genehmigte zwischen November 2025 und März 2026 Rüstungsexporte nach Israel im Wert von rund 167,4 Millionen Euro. Darunter befanden sich nach Angaben des Bundestages unter anderem Munition, Flugkörper, gepanzerte Fahrzeuge sowie Marineausrüstung.
In einem früheren Zeitraum zwischen September und November 2025 wurden dagegen nach Angaben der Bundesregierung keine Genehmigungen für die endgültige Ausfuhr von Kriegswaffen erteilt, wohl aber Genehmigungen für sonstige Rüstungsgüter.
Ob einzelne Lieferungen gegen nationales oder internationales Recht verstoßen, ist daher eine juristische Frage, die Gerichte und zuständige Kontrollorgane entscheiden müssen.
Der von Ihnen genannte Betrag von mehr als drei Milliarden Euro für Israel beziehungsweise Jordanien im Zusammenhang mit Gaza lässt sich in dieser Form aus den von mir geprüften aktuellen Bundesquellen nicht belastbar bestätigen. Deshalb sollte er in einem seriösen Medienbericht nicht als feststehende Tatsache dargestellt werden.
Wer verdient am Krieg?
Hier wird die Analyse besonders unbequem.
Während Zivilisten Wohnungen, Angehörige und Existenzen verlieren, haben bestimmte Wirtschaftssektoren tatsächlich erheblich von der neuen Sicherheitslage profitiert.
Das Stockholm International Peace Research Institute SIPRI stellte fest, dass die hundert größten Rüstungsunternehmen der Welt bereits 2024 einen Rekordumsatz von 679 Milliarden US-Dollar mit Waffen und militärischen Dienstleistungen erzielten – 5,9 Prozent mehr als im Vorjahr.
Die vier deutschen Unternehmen in der SIPRI-Top-100 steigerten ihre gemeinsamen Rüstungsumsätze sogar um 36 Prozent auf 14,9 Milliarden Dollar. SIPRI nennt ausdrücklich den Ukraine-Krieg und die wachsende Nachfrage nach Luftverteidigung, Munition und gepanzerten Fahrzeugen als wichtige Gründe.
Damit ist eines klar: Krieg produziert nicht nur Tote – er produziert auch Auftragsbücher.
Auch Ölkonzerne profitieren von der Krise
Der gleiche Mechanismus ist auf dem Energiemarkt sichtbar.
Shell meldete für das zweite Quartal 2026 einen Gewinn von rund 9,8 Milliarden Dollar – mehr als doppelt so viel wie ein Jahr zuvor. Reuters führt einen erheblichen Teil dieser Entwicklung auf höhere Energiepreise und die durch den Iran-Krieg ausgelöste Marktvolatilität zurück.
Saudi Aramco verzeichnete ebenfalls einen starken Gewinnanstieg. Glencores Ergebnis im Energiehandel explodierte im ersten Halbjahr 2026 auf 2,66 Milliarden Dollar – rund 66-mal so viel wie im entsprechenden Vorjahreszeitraum.
Gleichzeitig zahlen Autofahrer, Unternehmen und Haushalte höhere Energiepreise.
Genau darin liegt eine der größten sozialen Ungerechtigkeiten geopolitischer Krisen: Die Kosten werden kollektiv getragen, die Gewinne dagegen häufig privatisiert.
Und BlackRock?
BlackRock wird in politischen Diskussionen häufig als Symbol für den Einfluss großer Vermögensverwalter genannt. Hier sollte man jedoch vorsichtig sein.
Es wäre nicht seriös zu behaupten, BlackRock habe diese Kriege verursacht oder steuere sie. Dafür gibt es keine belastbaren Belege.
Richtig ist grundsätzlich, dass große Vermögensverwalter Beteiligungen an zahlreichen börsennotierten Energie-, Industrie- und Rüstungskonzernen halten und deshalb indirekt von steigenden Unternehmensbewertungen profitieren können. Das gilt allerdings ebenso für andere Fondsanbieter, Pensionsfonds und Millionen Privatanleger.
Der strukturelle Kritikpunkt ist daher weniger eine angebliche geheime Steuerung durch ein einzelnes Unternehmen als vielmehr die Frage:
Was passiert mit einer Weltwirtschaft, in der geopolitische Unsicherheit für ganze Industriezweige zu einem profitablen Geschäftsmodell wird?
Der eigentliche Verlierer sitzt weder in Washington noch in Moskau
Während Regierungen über Sicherheitszonen, Raketenreichweiten und geopolitische Einflusssphären sprechen, sieht die Realität für Millionen Menschen völlig anders aus.
Ukrainische Familien verbringen Nächte in Luftschutzräumen. Russische Zivilisten erleben inzwischen ebenfalls Drohnenangriffe tief im eigenen Land. Israelis leben mit Raketenalarm. Iranische Städte wurden bombardiert. Menschen in Gaza, im Libanon und in Syrien tragen seit Jahren die Last militärischer Eskalation. Im Persischen Golf gefährden Angriffe Energieanlagen und Arbeitsplätze.
Und selbst Menschen Tausende Kilometer entfernt bezahlen über Benzinpreise, Gaspreise, Inflation, höhere Verteidigungsausgaben und wachsende Staatsschulden einen Teil dieser Kriege.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht ausschließlich:
Wer gewinnt militärisch?
Sondern:
Wer trägt die gesellschaftlichen Kosten – und wer verdient daran?
Eine Welt zwischen zwei großen Eskalationsachsen
Das gefährlichste Szenario wäre heute nicht unbedingt ein einzelner großer Weltkrieg mit einer offiziellen Kriegserklärung.
Viel realistischer ist eine schleichende Eskalation:
Russland gegen Ukraine, unterstützt durch westliche Staaten. USA und Israel gegen Iran. Iranische Verbündete gegen israelische und amerikanische Interessen. Israel und Türkei zunehmend gegeneinander in Syrien. Nordkorea an Russlands Seite. China wirtschaftlich hinter Russland und Iran, ohne selbst unmittelbar Krieg führen zu müssen.
Jeder dieser Konflikte kann den nächsten beeinflussen.
Dass amerikanische Patriot-Bestände durch den Iran-Krieg fehlen und dadurch die europäische Verteidigung geschwächt wird, ist dafür ein nahezu perfektes Beispiel.
Die Menschheit braucht eine andere Sicherheitslogik
Keines der beteiligten Länder muss seine Sicherheitsinteressen aufgeben. Israel hat ein Recht auf Sicherheit. Iran hat ein Recht auf territoriale Integrität. Die Ukraine hat das Recht, sich gegen den russischen Angriff zu verteidigen. Russland hat legitime Sicherheitsinteressen, aber kein Recht, daraus einen Angriffskrieg gegen einen Nachbarstaat abzuleiten. Die Türkei hat ebenfalls das Recht, ihre Sicherheitsinteressen an ihren Grenzen zu vertreten.
Das eigentliche Problem beginnt dort, wo Sicherheit ausschließlich noch militärisch gedacht wird.
Wenn jede Seite glaubt, nur durch mehr Raketen, mehr Drohnen, mehr Sanktionen und höhere Rüstungsausgaben sicherer zu werden, entsteht eine Spirale, in der am Ende alle Staaten mehr Waffen besitzen – aber niemand mehr Sicherheit.
Fazit: Die Welt braucht Gewinner des Friedens, nicht Gewinner des Krieges
Die aktuellen Kriege zeigen einen bitteren Widerspruch unserer Zeit.
Für Rüstungsunternehmen steigen Aufträge. Für Energiekonzerne steigen teilweise Gewinne. Staaten erhöhen ihre Militärbudgets. Finanzmärkte handeln mit geopolitischen Risiken.
Doch auf den Straßen von Kyiv, Teheran, Gaza, Tel Aviv oder anderen betroffenen Städten gibt es für Zivilisten keinen Aktienkurs, der zerstörte Häuser ersetzt oder Angehörige zurückbringt.
Die internationale Politik muss deshalb wieder beginnen, Frieden nicht als Schwäche zu betrachten.
Ein Waffenstillstand, der nur bis zum nächsten Raketenangriff hält, ist kein Frieden. Ein Abkommen, das eine Seite lediglich zur Vorbereitung der nächsten Offensive nutzt, ist kein Frieden. Und Diplomatie, die erst beginnt, nachdem Tausende Menschen gestorben sind, kommt zu spät.
Die größte Herausforderung des Jahres 2026 ist deshalb möglicherweise nicht, welcher Staat militärisch stärker wird. Die entscheidende Frage ist, ob die internationale Gemeinschaft noch in der Lage ist, diese miteinander verbundenen Kriege zu stoppen, bevor aus regionalen Konflikten eine globale Konfrontation entsteht, die niemand mehr kontrollieren kann.




